RUN & BIKE Club Schmalkalden e.V. 
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Ötztaler Radmarathon 2016

Dieses Jahr hat es mal wieder geklappt. Das Losglück bescherte uns einen Startplatz beim Ötztaler Radmarathon. Wir, das sind Andreas Volk und Karsten Lange. Gemeinsam haben wir dieses Jahr schon einige Touren gemeistert welche eigentlich alle der Vorbereitung dieses Marathons dienten. Diese Tatsache zeigt mit welcher Intensität wir uns auf den Ötztaler Radmarathon vorbereitet haben. Für Andreas war es seine erste Teilnahme. Er hatte gleich bei seiner ersten Verlosung Glück. Für mich, Karsten Lange, war es die zehnte Teilnahme welche ich nach einem dreimaligen Lospech zugesprochen bekam. Diese zehnte Teilnahme sollte endlich meine lang ersehnte sieben Stunden Zeit bringen. Alles passte. Ich fühlte mich bestens, gute Form, keine Krankheit im Vorfeld. Das Wetter war traumhaft. Nur ein Part sollte nicht mitspielen: Das Material! Genauer gesagt die Bereifung! Aber immer der Reihe nach.

Am Vortag kamen wir gegen 10:00 Uhr in Sölden an. Wir holten noch bevor wir ins Quartier fuhren unsere Startnummern und hatten so einen ruhigen Nachmittag. Ein kurzer Bummel durch den Ort, danach Kaffee trinken und eine kleine Runde zur Lockerung mit dem Rad. Anschließend Räder checken und Abendbrot. Natürlich Spagetti. Dann ging es pünktlich ins Bett. Wecken war 04:00 Uhr, Start sollte 06:45 Uhr sein.

Pünktlich klingelte der Wecker. Wir machten in Ruhe unser Frühstück und bereiteten uns auf den Start vor. Als alles fertig war fuhren wir um 06:00 Uhr zum Start. Hier war natürlich schon die Hölle los. Wir fuhren an der Seite noch etwas nach vorne und kamen etwa 100 Meter hinter den ersten Fahrern der zweiten Startgruppe zum Stehen. Alles gut! Wir standen etwa auf Position 300.

Pünktlich 06:45 Uhr krachte der Böllerschuss. Die erste Startgruppe setzte sich in Bewegung. Jetzt dauerte es auch für uns nicht mehr lange. Ein kurzer Handschlag mit Andreas, gute Wünsche und los gings. Wir versuchten vom Start weg nicht zusammen zu bleiben. Andreas hatte sich das Ziel Durchfahren gestellt, ich wollte endlich meine sieben Stunden Zeit haben. Also gab ich gleich Gas um Positionen gut zu machen. Erstes Ziel war unter den ersten 200 das Kühtai anzugehen. Ortsausgang Sölden ging es erstmals bergab. Alles klappte wunderbar. Kein Gedrängel, man konnte gut weiter vor fahren. Kurz vor dem Tunnel Aschbach gings weiter bergab, das Tempo wurde schneller. Dann gab es auf der Brücke einen Riesen Knall. Ich wusste sofort das ich der Betroffene bin weil ich augenblicklich auf der Felge fuhr. Die folgende Linkskurve konnte ich mit Mühe aussteuern um dann gleich zur Warnung für Nachfolgende die Hand heben. Von hinten rauschten ständig Fahrer heran. Dann hatte ich endlich den rechten Fahrbahnrand erreicht und konnte stehen bleiben. Ich dachte nicht groß nach, baute das Hinterrad raus, riss die Decke runter. Dann neuen Schlauch rein, Anpumpen, Decke auf der anderen Seite wieder drauf, weiterpumpen. Dann sah ich erst den Riss in der Decke weil der Schlauch aus dem Loch kam. Jetzt war der Augenblick gekommen ganz laut ein für die Situation passendes Schimpfwort ins Ötztal zu schreien. So eine Scheiße! Ich konnte den Ötztaler 2016 vergessen! Und die gute Zeit welche ich mir vorgenommen hatte erst recht. Ich holte mein Handy raus und rief Ulrike an um ihr zu sagen das sie mich abholen kann. Fahren ging ja nicht mehr! Ich verstand kein Wort was sie antwortete, vor mir rauschte immer noch das Feld vorbei und über mir stand ein Hubschrauber in der Luft. Bei dem Lärm legte ich einfach auf. Dann fuhren die letzten Fahrer nach endlosen Minuten vorbei.

Hinter dem Schlusswagen kam ein Servicewagen. Ich winkte ihm zu und er stoppte. Die Frage nach einer neuen Decke wurde mit ja beantwortet und ich bekam Hilfe. Als alles fertig war sagten die Mechaniker ich solle die neue Decke am Abend im Rennbüro bezahlen. Alles klar, ich konnte weiterfahren. Vorher informierte ich noch Ulrike über meine Weiterfahrt. Dann fuhr ich mit 25 Minuten Rückstand dem Feld hinterher. Vor mir leere Straßen. Und Wind im Gesicht. Ich gab voll Gas und wusste das ich mich im roten Bereich befand. Egal, ich musste wieder Anschluss ans Feld bekommen.

Nach endlosen Kilometern war ich in Ötz angekommen und sah beim Einbiegen in den Berg die letzten Fahrer. Kurze Zeit später befand ich mich wieder im Feld. Was aber kein Vorteil war. Alles war so eng und stellenweise langsam das an Überholen oft nicht zu denken war. Ich drängelte mich regelrecht durch das Feld und konnte so viele Positionen gut machen. Von Platz 3934 am Anfang des Berges war ich oben auf dem Kühtai auf Position 1855. Meine Kühtai-Zeit war 1:07.39 h. Für die stellenweise verkehrsbedingt langsame Fahrt nicht schlecht. Ich füllte meine Flaschen auf, nahm eine Banane mit und machte mich auf die Abfahrt hinab nach Innsbruck. Den geplatzten Mantel hatte ich immer im Hinterkopf, immerhin hatte ich vorne noch den gleichen drauf! Unten stand trotzdem eine 100 auf dem Tacho und ich war froh das alles gut ging.

Vor Innsbruck sammelten sich viele Fahrer zu einem etwa 100 Mann starken Feld. Leider lief hier aber überhaupt nichts. Man hatte das Gefühl das alle für die anstehenden Berge Kräfte sparen wollten. Das Gebummel war mir echt zu langsam und so fuhr ich zu. Hinter Innsbruck war ich mit einem Italiener zusammen und wir fuhren zu zweit den gesamten Brenner hinauf. Einige Gruppen die wir einholten wollten oder konnten nicht folgen. Das ich hier Körner verschoss die ich eigentlich für Jaufenpass und Timmelsjoch brauchte war mir klar. Es war aber auch egal, die persönliche Bestzeit war sowiso nicht mehr zu erreichen. Dann waren wir endlich am Brenner. Wieder Flaschen füllen, Banane einstecken und weiter gings. Bis Gasteig am Jaufenanfang war ich in einer Vierergruppe.

Jetzt begann der Jaufenpass. Ich war bereits einigermaßen fertig. Die ganze Raserei zu zweit im Wind sollte jetzt seine Wirkung zeigen. Meine angepeilten 15 km/h war jedenfalls nicht drin. Ich war froh das ich 12 km/h auf dem Tacho stehen sah. Ich schraubte mich so immer höher und sah zur Hälfte des Passes Andreas vor mir fahren. Als ich ihn von hinten etwas anschob war er doch ziemlich überrascht mich zu sehen. Mein Pech am Morgen hatte er nicht mitbekommen. Nach einem kleinen Gespräch setzten wir unsere Fahrt im eigenen Trott fort. Dann war ich nach einer Fahrzeit von 1:15 h endlich oben. Eine Sch....-Zeit! Zwei Minuten kann ich an der Verpflegung abziehen. Hier hielt ich mich etwas länger auf als sonst, konnte ich mir ja jetzt leisten. Ganz oben rief ich noch Ulrike an und gab durch das alles iO ist, ich würde aber etwas später kommen:-)!

Die Abfahrt ließ ich einfach rollen. Einfach mal genießen bergab zu fahren. Vorbeifahrende Starter waren mir egal. Trotzdem war ich aber auch nicht zu langsam. Ich fuhr eben nicht letzte Rille.

St. Leonhardt begrüßte mich mit Sonne und 30 Grad. Mal sehen wie es jetzt am Timmelsjoch läuft. Ich drückte mir zwei Gel rein und kippte eine halbe Flasche Wasser hinterher. Ich war bereit für die letzte große Herausforderung. Einen Kilometer nach der Zeitnahmematte ertönte dann ein Pfeifen! Es hatte mich schon wieder erwischt. Diesmal der Vorderradreifen. Der erste Gedanke das auch die vordere Decke defekt ist bestätigte sich nicht, es war zum Glück nur der Schlauch. Glück auch das es hier passiert war und nicht in der Abfahrt vom Jaufen. Ich suchte mir eine schattige Stelle und begann in Ruhe den Defekt zu beheben. Die Zeit war mir egal. Es sollte so lange dauern wie es brauchte. Nach 12 Minuten fuhr ich völlig demotiviert weiter. Hinter Moos fiel mir der Berg wie immer am schwersten. Bis zur Flachpassage zur Hälfte des Passes musste ich ganz schön beißen. An der Verppflegungsstelle trank ich schnell ein Becher Cola und fuhr gleich weiter. Auch an der letzten Getränkestelle in den letzten Kehren kippte ich einen Becher Cola rein. Nach gesamt 2:33 h war ich oben angekommen. Ich hab mir ne andere Zeit vorgestellt. Aber mehr war nicht mehr drin. Die Abfahrt und den Anstieg zur Mautstelle schaffte ich jetzt auch noch. Nach 9:23 h war endlich das Ziel erreicht. Alle anderen vor mir hoben die Arme und fühlten sich wie die Sieger. Konnten sie ja auch, den Ötzi durchfahren ist schon was. Wenn man aber gerade seine schlechteste Zeit von zehn Teilnahmen gefahren ist fühlt man sich eher als Verlierer. Ich holte mir am Getränkestand ein Radler und ging zum Ausgang. Draußen warteten schon Ulrike und Hannah. Die tröstenden Worte konnten mich nur teilweise aufbauen.

Bei Andreas hingegen lief bei seiner ersten Teilnahme alles nach Plan. Lediglich am Jaufenpass hatte er ein paar Probleme. Am Timmelsjoch konnte er seinen Tritt durchziehen und so kam er nach einer Zeit von 10:18.03h ins Ziel. Im nächsten Jahr, wenn es mit Startplatz und Training klappt, ist er wieder mit dabei.

Es sollte meine vorläufig letzte Teilnahme werden. Nächstes Jahr meld ich mich aber wieder an und hoffe auf einen Startplatz. So wollte ich mich hier in Sölden nicht verabschieden!

Der Ursprung allen Übels! Ein acht Zentimeter langer Riss in der Decke. Gerade 50 km gefahren, also nagelneu. Acht Bar waren drauf, bis zehn Bar zugelassen. Marke möchte ich nicht nennen.

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