RUN & BIKE Club Schmalkalden e.V. 
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alpine Bergtour auf den Ortler in Südtirol

Mehrere Termine in den letzten Jahren sind leider schlechtem Wetter zum Opfer gefallen. In diesem Jahr hat es dann endlich geklappt. In der Zeit vom 8.Juli bis 20.Juli wollten wir das beste Wetter zum Start nutzen. Die erste der beiden Wochen fiel aber wieder Regen und Schnee zum Opfer. Die zweite Woche begann genauso. Dann war endlich im Wetterbericht stabiles Wetter ab Mittwoch angesagt. Das war unser Termin, also ging es Mittwoch früh los. Wir fuhren von Schmalkalden über Würzburg, Ulm ,Kempten, den Fernpass und Reschenpass ins Vinschgau. Hier waren wir um 15:00 Uhr angekommen und machten am Heidepark, einer Gaststätte an der Straße ins Vinschgau, erst mal "Mittag". Das brauchten wir auch. Immerhin wollten wir heute noch etwas schaffen. Auf der Fahrt legten wir uns schon den Plan zurecht. Ursprünglich wollten wir auf der Berglhütte schlafen. Da diese in diesem Jahr aber leider vom Land Tirol als Eigentümer nicht verpachtet wurde war diese Übernachtung nicht möglich. Totz dem wollten wir aber gerne den Meraner-Weg zum Aufstieg nutzen und über den Normalweg wieder absteigen. Als Radfahrer dreht man eben gerne eine Runde. Aus diesem Grund beschlossen wir noch am Nachmittag zur Berglhütte aufzusteigen und gleich im Anschluss den Meraner-Weg anzugehen. Übernachten wollten wir im Biwaksack. Vorher haben wir natürlich den Wetterbericht studiert. Eine sternenklare Nacht stand uns bevor. Beste Vorraussetzungen für den Start.

Um 16:15 Uhr sind wir hinter Trafoi am Parkplatz des Zeltplatzes angekommen. Von hier sollte es losgehen. Also noch mal Ausrüstung checken und alles gut zusammenpacken. Die Rucksäcke sahen zwar groß aus, waren aber nich sehr schwer. Die zusammengeknüllten Schlafsäcke und Isomatten forderten eben ihren Platz. Vorbei an den heiligen drei Brunnen ging es bergan in Richtung Berglhütte. Diese hatten wir um 18:00 Uhr erreicht. Das leichte Rauschen des Waldes wurde hier oben immer wieder durch Motorengeräusche von Motorrädern unterbrochen. Am Abend wollten die Biker eben noch einmal ungestört das Stilfser Joch hinaufbügeln. Nach einer kurzen Rast setzten wir unseren Weg fort und kamen nach kurzer Zeit am Abzweig zum Meraner Weg.

Dieser zweigt vom Weg welcher zur Payerhütte führt nach rechts ab und führt in Richtung einer Rinne. Diese geht es hinauf bis man oben am Grat ankommt. Grat ist hier auch übertrieben. Vielmehr ist es ein breiter, felsiger Bergrücken welcher steil nach oben führt. Die Wegfindung ist nicht sehr schwierig. Man erkennt immer wieder Steigspuren, rote Markierungen oder Steinmännchen. Allerdings stelle ich mir das ganze früh um halb fünf mit Stirnlampe extremer vor. Vorsicht war bei einigen zu querenden glatten Felsplatten geboten. Langsam stand jetzt auch die Sonne immer tiefer. Unser Ziel, bis zu einem breiten Schuttfeld vor dem Anstieg zum Pleißhorn zu kommen, erreichten wir leider nicht. So richteten wir uns ein Nachtlager hinter einer vom Wind abgewandten Felsnase ein. Es sollte eine sternenklare Nacht werden: kalt und klar. Wir lagen in unseren Schlafsäcken und sahen in die Sterne. Einfach traumhaft.

Die Nacht war kurz nach fünf Uhr vorbei. Der Tatendrang zwang uns aus den Schlafsäcken. Vielleicht war es auch die Kälte und der Wunsch nach Bewegung! Nach einem Frühstück mit Blick auf das Stilfser Joch packten wir unsere Sachen und brachen auf. Nachdem wir über die Felsnase geklettert waren kamen wir auch auf das Schuttfeld unterhalb vom Pleißhorn. Hier wäre auch ein gutes Nachtlager gewesen. Breit und viel Platz.

Direkt an das Schuttfeld schließt sich der Anstieg zum Pleißhorn an. Zuerst passiert man eine Marmortafel. Hier ist ein Widmung für die Erstbesteigung des Ortlers eingraviert. An der Tafel beginnt ein Sicherungsseil an welchem man immer entlang klettert. Um die Ecke herum zieht der Weg steil nach oben. Wegen der langen Abstände zwischen den Fixpunkten des Seiles ist hier Vorsicht geboten. Wir hängen uns zwar ein, geben uns aber Mühe uns nicht am Seil hinauf zu ziehen. Das gelingt ganz gut. Weiter oben hört das Seil auf. Die letzten Meter geht es auf einer Kante direkt am Abgrund entlang.

Hier sollte man auch ganz rechts an der Kante hinaufsteigen weil schon einen Meter weiter links lockeres Geröll liegt und die Füße keinen Halt haben. Da ist der Blick zweihundert Meter abwärts direkt rechts neben einem sicherer. Auf dem Sattel angekommen geht es nach links. Nach etwa einhundert Metern auf dem schmalen Sattel geht es kurz etwa 5 Meter nach unten in eine Scharte.

Auf der anderen Seite dieser Scharte führt eine kleine Leiter nach oben. Hat man diese und die nächsten Klettermeter überwunden ist die Kletterei bis zum Gipfel vorbei. Es geht jetzt auf Geröll weiter nach oben. Die Steigspuren und der Weg sind hier gut zu erkennen. Weiter oben erreicht man ein breites Tal. Hier beginnt ein großes Schneefeld und wir legen hier unsere Steigeisen an. Die Uhr zeigt 07:30 Uhr, es ist strahlend blauer Himmel und der Schnee ist verharscht und hart. Nur die Zacken der Steigeisen sinken im Schnee ein.

Jetzt geht es mit ca. 40 Grad Steigung bergan und wir gewinnen schnell an Höhe. Die Kehren der Stilfser Joch Passstraße liegt weit unter uns. Der Blick reicht hier schon in den gesamten Norden. Gut zu sehen ist auch die Bernina-Gruppe in der Schweiz. Vor uns liegt aber noch die nicht enden wollende Steigung des Ortler-Gletschers. Mittlerweile sind wir die ersten beiden Rampen hinaufgetiefelt. Zuerst sind wir geradeaus auf eine Scharte zu gelaufen. Dort angekommen hielten wir uns rechts immer an der sonnenbeschienenen Kante. Oben an einer kleinen Senke machen wir eine kurze Rast und seilten uns an. Von nun an ging es mit Seilsicherung weiter. Von hier an ging es weiter immer am rechten Rand des Gletschers nach oben bis wir auf das breite Ortlerplateau kamen.

Es dauerte nicht lange bis wir erstmals das Gipfelkreuz sahen. Weitere 10 Minuten später stießen wir direkt auf den Normalweg welcher von der Payerhütte auf den Gipfel führt. Bis zum Gipfel waren wir jetzt noch etwa 20 Minuten unterwegs.

Am Gipfel waren wir um 10:30 Uhr. Wir waren ganz allein. Auf den letzten Metern vor dem Gipfel kamen uns drei Slowaken beim Abstieg entgegen. Diese drei sollten wir später an der Abseilstelle wieder einholen. Wir blieben etwa eine halbe Stunde am Gipfel und genossen die Aussicht. Leider war der Blick Richtung Westen jetzt von aufziehenden Wolken gestört. Das Panorama war trotzdem grandios.

Um 11:10 Uhr machten wir uns bereit für den Abstieg über den Normalweg. Dieser führt an der Payerhütte vorbei. Vorher passieren wir noch die bekannten Stellen wie z.B. das Bärenloch, dann die kurze Abseilstelle und später das mit Ketten gesicherte "Wandl". Hier holten wir die drei Slowaken wieder ein. Nach weiterer Gratkletterei erreichten wir um ca. 13:00 Uhr die Payerhütte. Hier gab es erst einmal ein Mittagessen im Strahlenden Sonnenschein. Gegen 15:00 Uhr setzten wir unseren Abstieg fort und waren um 17:30 Uhr wieder an den Heiligen Drei Brunnen.

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