RUN & BIKE Club Schmalkalden e.V. 
Salzkammergut-Trophy Bad Goisern - 09.07.2016
Bilder privat sowie Quelle Sportograf

In diesem Jahr sollten endlich auch einmal zwei Fahrer unseres kleinen Vereins in der Ergebnisliste des schwersten MTB-Marathons Europas stehen. Der Schwerste? So bezeichnet es jedenfalls der Veranstalter. Ob dem so ist und ob wir der gleichen Meinung sind werden wir in diesen Zeilen berichten.

So fuhren wir, Andreas Volk und Karsten Lange, am Nachmittag des 07.Juli in Richtung Österreich. Wir hatten beide gut Kilometer in den Beinen, haben im Thüringer Wald eigentlich jeden Berg mitgenommen. Selbst solche Gewalttouren bei Dauerregen mit dem MTB auf dem Rennsteig von Schmalkalden bis kurz vor Blankenstein und zurück über 230 km haben wir durchgezogen. Kurz und gut: Wir waren und fühlten uns gut vorberreitet!

Unsere Unterkunft sollte unser Zelt auf dem Sportplatz Bad Goisern sein. Vorher angeschriebene Pensionen und Hotels hielten es leider nicht einmal für nötig eine Absage zu senden. Dafür wurden wir auf dem Zeltplatz um so herzlicher empfangen als wir am 07.07.2016 um 23:00 Uhr ankamen. Jetzt also schnell Zelt aufbauen und rein in den Schlafsack. Alles gut! Gute Nacht!

Der nächste Morgen empfing uns mit strahlendem Sonnenschein. Nach einem gemütlichen Frühstück brachen wir auf um uns einen Teil der Strecke anzusehen. Viele Höhenmeter sollten es nicht werden und so fuhren wir in Richtung Laufen wo die bekannte Treppenabfahrt wartete. Die Passage klappte ohne großes Zögern. Dann ging es weiter der Strecke entlang. In Weißenbach bogen wir auf die A-Strecke ein und fuhren in Richtung Hochmuthalm. Hier geht es immer schön bergan, nicht zu steil, gut zu fahren. Allerdings sollte ja die Abfahrt noch folgen. Diese stellte sich als größtenteils nicht fahrbar heraus. Jedenfalls wenn man im Anschluss an den Marathon noch gesund mit der Familie in den Urlaub fahren möchte! Meiner Meinung hat diese Abfahrt, oder Tragepassage, in einem Marathon nichts zu suchen. Zumal es fast den ganzen Berg runter so ging. Für Downhiller mit 200 mm Federweg vorn und hinten vielleicht schon, aber nicht mit einem Hardtail mit 100 mm an der Gabel.

Den weiteren Nachmittag nutzten wir zum Abholen der Startnummer und einen Besuch der Technik-Area. Viel wollten wir aber nicht unternehmen und so waren wir gegen 17:00 Uhr wieder am Zelt. Jetzt ging es ans Essen kochen. Natürlich ging an Nudeln kein Weg vorbei. Nach dem Abendessen und einem Gute-Nacht Bierchen ging es um 21:30 Uhr in den Schlafsack. Der Wecker war auf 03:45 Uhr gestellt!

Als am nächsten Morgen der Wecker klingelte prasselte Regen auf das Zeltdach! Oh nein, wir wollten nicht aufstehen. Andreas machte den Anfang und wagte einen Blick hinaus. Es war zum Glück nicht so schlimm, der Regen hörte bald auf. Jetzt Kocher an und Kaffee kochen. Das Frühstück war echt gemütlich, aber die Zeit drängte. Um 04:30 Uhr waren wir fertig, jetzt noch schnell ein wichtiger Weg zu einem bestimmten Wagen auf dem Zeltplatz und los ging es zum Start. Vom Zeltplatz hatten wir etwa zwei Kilomter bis ins Ortszentrum, das war echt gut. Zehn Minuten vor fünf Uhr waren wir am Start und standen natürlich (fast) ganz hinten, das war echt schlecht! Aber um zwei Uhr wollten wir auch nicht aufstehen und eine Stunde hier rumstehen. Also mussten wir jetzt das Beste daraus machen.

Um 5:00 Uhr ging es los! 800 Fahrer am Start. Wir etwa auf Platz 750. Sehr langsam setzte sich des Feld in Bewegung und zog sich praktisch nicht auseinander. Gleich hinter Bad Goisern gehts in den ersten Berg. Den gesamten Berg hinauf schleichen wir vorwärts und können so gut wie nicht überholen. Wir sind in dem Tross gefangen und haben Mühe uns nicht zu verlieren. Weiter oben wird es langsam so und eng das wir stellenweise laufen müssen. Dann ist die erste Steigung endlich genommen und wir können einige Positionen gutmachen. Mittlerweile ist auf den Wegen mehr Platz und wir kommen besser voran.

Nach 29 km kommen wir erstmals an die "Ewige Wand", leider bleibt für Blicke auf Bad Goisern wenig Zeit. Auch die Treppenpassage in Laufen am Ende der ersten Abfahrt meistern wir ganz gut.

Nachdem Bad Goisern erstmals passiert war ging es auf die zweite, größere Runde. Das Fahrerfeld hat sich mittlerweile auseinander gezogen und wir können unser Tempo fahren. Leider bremst uns jetzt ein Problem am Bike von Andreas. Die Reifen lassen Luft und müssen nachgepumpt werden. Wir fahren beide mit dem Tubeless-System. Bei meinem Bike hielt die Luft einwandfrei, bei Andreas nicht so gut. Fünf mal zwang uns dieses Problem zum Nachpumpen. Nach der Abfahrt nach 57 km verloren wir uns leider aus den Augen. Während Andreas etwas schneller unten ankam übersah ich das er an einer Servicestelle einen Schlauch am Vorderrad einzog und fuhr hier vorbei. Im Glauben er sei vor mir gab ich nun Gas um ihn einzuholen. Weil ich ihn an einer längeren Steigung vor mir nicht sah beschloss ich zu warten, fuhr aber nach drei Minuten weiter. War er nun vor mir oder hinter mir! Als ich an den nächsten Verpflegungsstelle war hoffte ich auf ein Wiedersehen. Andreas war aber nicht da. Da er hier auf mich gewartet hätte tippte ich darauf das er hinter mir sein muss. Also wartete ich wieder. Dann war er nach endlos scheinenden 7 Minuten endlich zu sehen. Jetzt ging es wieder gemeinsam weiter. Mittlerweile begann es auch wie aus Kübeln zu regnen. War aber eigentlich ganz angenehm und eine schöne Abkühlung

An dieser Stelle etwas zu unserer Verpflegung. Wir hatten beide eine 700 ml Flasche dabei. Die Verpflegungsstellen kamen immer rechtzeitig um diese aufzufüllen und bei der Gelegenheit gleich etwas zu trinken. Weiterhin gab es alles was man braucht. Von der Banane bis zur Knackwurst (Knackwurst brauchten wir nicht!). In der Trikottasche hatten wir noch einige Energie-Gels. Für eventuelle Pannen hatten wir noch jeder zwei Schläuche dabei. Eine Pumpe und Wergkzeugtool hatte ich einstecken.

An der folgenden langen Steigung wurde der Abstand zwischen uns immer größer. An der nächsten Verpflegungsstelle wartete ich wieder und wir fuhren nach einer kleinen Pause weiter. Andreas sagte zu mir ich solle zufahren wenn er wieder zurückfällt. Jetzt war ich zum zweiten Mal an der Hütteneckalm angekommen und er war nicht zu sehen. Also fuhr ich erst mal weiter. Nach der Abfahrt nach Laufen mit der zweiten Passage der Ewigen Wand kam wieder die Treppen- und Brückenpassage. Hier ging wieder alles glatt. Mit dem Gedanken das Andreas weiter zurückliegt beschloss ich weiter zu fahren. Tatsächlich war er aber die Abfahrten so schnell heruntergeflogen das er direkt hinter mir lag. Leider bekam er in Sichtweite zu mir einen Platten. Seine Rufe hörte ich nicht. Ich hatte das Werkzeug einstecken (5er Inbus) mit welchem er sein Hinterrad ausbauen musste. Glücklicherweise bekam er von Passanten den Schlüssel. So setzten wir unsere Fahrt getrennt voneinander fort.

Es folgte die Schleife über die Hochmuth-Alm mit anschließender Trage-Schiebeabfahrt welche man sich sparen kann. Der Marathon ist schon hart genug, da braucht es sowas nicht! Unten angekommen gab es wieder eine Verpflegungs- und Servicestelle. Hier befreite ich mein Bike mit einem Kärcher vom gröbsten Schmutz und bekam vom Serviceteam neues Öl auf Kette und Ritzel. Großes Lob hier an den Veranstalter. Die Verpflegungsstellen waren bestens ausgestattet und alle Helfer kümmerten sich bestens um die Fehrer. Dann setzte ich mich in Richtung Hallstädter See in Bewegung. Auf dem Computer standen jetzt 125 km. Der Regen hatte übrigens auch aufgehört und die Sonne kam zum Vorschein.

Rund um den See fuhr ich gemeinsam mit drei anderen Fahrern. Wir lösten uns gegenseitig ab und kamen so bei Gegenwind ganz gut voran. In Obertraun an der Verpflegung füllte ich die Flasche auf und schnappte mir eine Banane. Ein Stück weiter hielt ich an und machte mit dem Handy ein paar Fotos vom See in Richtung Hallstadt. Da hier Internetempfang war schickte ich Bilder und ein weinig Text in unsere Vereinsgruppe und rief auch noch Ulrike an um durchzugeben das alles i.O. war. Dann ging es weiter durch Hallstadt in Richtung Salzberg. 155 km waren jetzt geschafft.

Guter Dinge nahm ich den Salzberg in Angriff. Ich merkte aber schon das ich bereits 5600 Höhenmeter in den Beinen hatte und bereits 9 Stunden im Sattel saß. Hier dachte ich an den Ötztaler Radmarathon welcher hier von der Zeit und den Hm schon beendet wäre. Ich fahre aber beergan und es wird immer steiler. Weiter oben hielt ich an um von Hallstadt ein paar Fotos zu machen. Als ich weiterfahren wollte hörte ich wie jemand meinen Namen ruft!

Da kam weiter unten Andreas den Berg hinauf, ich dachte das ich ihn erst im Ziel wiedersehe! Sehr schön, jetzt konnten wir unsere Reise gemeinsam fortsetzten und wollten auch bis ins Ziel zusammen weiterfahren. Weiter Fahren! Es wurde mittlerweile so steil das ich einfach nicht mehr weiterfahren konnte. Wir waren im letzten Drittel des Salzberges. Hier ist die Steigung 32 Prozent. Scheißegal! Ich stieg ab und schob mein Rad weiter. Andreas blieb noch auf dem Bike, war aber auch nicht schneller als ich. Wenig später schoben wir beide. Weiter oben wurden wir noch von als Krokodil und Fuchs verkleidete Zuschauer unterstützt. Einfach geil. Ein Typ im grünen Kokodilskostüm schob mein Rad den Salzberg hoch. In der einen Hand mein Bike, in der andreren ein Bier.

Dann waren wir endlich oben! Es folgte eine Abfahrt um gleich danach wieder die nächste Steigung hoch zu fahren. Diesmal ging es auf die Roßalm. Die höchste Stelle des Tages. Und die Steigung nahm kein Ende. Jeder hatte jetzt seine eigene Taktik. Ich fuhr etwas schneller als Andreas und wartete immer wenn mein Rücken danach verlangte. Andreas wollte nicht anhalten und fuhr lieber durch. Bei ihm fingen Krämpfe langsam an die Fahrt zu verlangsamen. Nach jeder Kehre ging es immer noch weiter bergan. Bei Kilomter 163 waren wir endlich oben auf 1460 Meter. Nun folgte die Abfahrt zum Gosausee.

Leider war die Abfahrt zu schnell vorbei. Nach 179 km gingen wir in die letzte größere Steigung des Tages. Es ging noch einmal 500 Höhenmeter nach oben. Wieder endlos. Wieder nach jeder Kehre noch eine. Ich muss es so sagen: es kotzte mich langsam an. Mir tat das Kreuz weh, in den aufgeweichten Handschuhen schossen kleine Elektroschocks durch die Hand wenn die falsche Stelle Druck bekam. Und ein Gefühl das irgendwie die ganze getrunkene Iso-Suppe des Tages wieder oben raus will. Mit diesen Empfindungen kamen wir oben am letzten Berg an. Dann wieder eine Abfahrt. Diesmal die letzte, dachten wir. Es kamen aber noch ein paar Anstiege, man hat sie nur neben den eigentlichen Bergen im Höhenprofil nicht gesehen. Trotzdem ging es auch hier noch mal über 100 Höhenmeter hoch. Das ist sonst nicht viel. Aber wenn man schon 7000 Höhenmeter weg hat freut man sich nicht mehr darüber. An den letzten beiden Verpflegungsstellen fuhren wir vorbei ohne aufzutanken. Die Flaschen waren noch halb voll und andere Sachen benötigten wir nicht. Wir schnappten uns nur jeder eine Dose RedBull weil wir dachten es hilft uns weiter. Flügel verlieh uns das Zeug nicht und die Dosen landeten noch in der Wegwerfzone auf der Wiese.

Dann waren wir am Hallstädter See angekommen. Jetzt konnten wir sicher sein das keine nennenswerte Steigung mehr auf uns wartet. Wir waren nun in einer acht Mann starken Gruppe unterwegs und fuhren Richtung Ziel. Die paar kleinen Anstiege schafften wir nun mit Leichtigkeit. Das Ziel rückte näher. Dann das Ortsschlild. Die ersten Absperrgitter, dann Zuschauer, der Sprecher welcher uns empfing. Wir waren im Ziel. Geschafft. 14 Stunden und 29 Minuten waren seit dem Start am Morgen vergangen.

Die Zeit war uns egal, wir wollten hier durchfahren und uns die ganze Sache anschauen. Jetzt ein kühles Bier für den Gutschein welchen wir den ganzen Tag einstecken hatten. Aber an dem Stand nach dem Ziel gab es nur süßes Iso-Getränk. Neeeiiin. Auch nach einer kleinen Diskussion bekamen wir kein Radler welches auch Palettenweise an der Station stand. Egal, dann sollen sie ihr Radler wieder mitnehmen, die Freude überwiegt und wir haben keine Lust auf Diskussionen. Dann trinken wir eben am Zelt unser Bier. Darauf freuten wir uns jetzt. Also fuhren wir noch die zwei Kilomter bis zum Sportplatz wo unser Zelt stand. Dort legte ich mein Rad in die Wiese und legte mich gleich daneben. Endlich Ruhe, endlich nicht mehr treten, endlich den Rücken gerade machen.

Im Anschluss gingen wir unter die Dusche, machten uns ein schönes Abendbrot und genossen unser Bier. Später an der Sportplatzkneipe auch noch eins. Das hatten wir uns verdient!

Nun sitze ich einige Zeit später hier und schreibe diese Zeilen. Noch im Rennen haben wir uns geschworen: Nie Wieder!!! Nun mit etwas Abstand betrachtet sagen wir: Naja, wir wissen ja nun was uns erwartet. Vielleicht ja im nächsten Jahr wieder. Denn eins steht fest: Dieses Gefühl im Ziel es geschafft zu haben war einfach genial! Die Aussage des Veranstalters kann ich nachvollziehen: Es war für mich auf alle Fälle der schwerste Marathon den ich je gefahren bin! Es war aber auch erst mein dritter MTB-Marathon:-)!

Noch ein paar Zeilen zur Vorbereitung. Wir waren von der Kilometerzahl gut vorbereitet! Wo es aber fehlte war die Kraft an den letzten Bergen. Ab dem Salzberg in Hallstadt hätten wir uns noch ein paar Körner gewünscht. Auch allgemeines Athletiktraining kann bei einer erneuten Teilnahme ausgebaut werden. Die Technik war top. Das Andreas das Pech mit den Reifen hatte war unverständlich. Ich hatte die gleiche Kombination drauf und bei mir hat alles einwandfrei gehalten. Wir fuhren beide Schlauchlos-System, DT-Swiss XR 331 Felgen, NoTubes Dichtmilch. Einziger Unterschied war das ich Schwalbe Rocket Ron Reifen fuhr und Andreas Continental Race King. Vor dem Marathon hatte ich aber auch genau diese Contis drauf und alles war Tiptop. Die Übersetzung hätte ich mir am Salzberg kleiner gewünscht. Mit 24/36 war ich am Ende. Allerdings ging es hier mit Fahren auch nicht schneller vowärts.

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